Zum Träumen und ganz viel Trump

Zum Träumen und ganz viel Trump

Prunksitzung begeistert mit frechen Büttenreden über Politisches aus Nah und Fern sowie Tänzen

Er ist in aller Munde: der amerikanische Präsident Donald Trump. Bei der diesjährigen Prunksitzung der „Kibo KarnevaIgeseIIschaft“ war er der Trumpf bei vielenBüttenrednern: Immer wieder wurde über ihn referiert – und dem Publikum standenin der Stadthalle am Samstagabend vor Lachen die Tränen in den Augen. Büttenredner Patrik Sommer berichtete als Bauer Bumb dagegen von einem Vorhabenin der Kleinen Residenz: Er eröffnet einen neuen Nachtclub in Kibo. Namen des Clubs:“Blinkende Zinken“. Seine Büttenrede trumpfte nicht nur durch die komischen Inhalteauf, vielmehr brachte er das Publikum zum Lachen, da er Pfälzisch und Englisch mitstarkem deutschen Akzent so wunderbar zu vermischen verstand. In Gummistiefeln und Arbeiterhose stand er auf der Bühne, in der Hand eine Mistgabel, die mit roten Lichterketten umwickelt war, und gab sein pfälzisches Englisch zum Besten: „Ich bin the man, I make the Kibo-Nightlife great again“ und „Where die roten Zinken blinken, there you can you gut betrinken“. Sommer brachte die ohnehin schon positiv angeheizte Stimmung mit seinem Vortrag endgültig zum Überkochen.

Protokoller Ernst-Ludwig Huy thematisierte Trump – wenn auch indirekt. In seinem Jahresrückblick beleuchtete er unter anderem die Vorhaben des Stadtbürgermeisters, unter anderem die Sanierung der Stadtmauer. Diese bezeichnete Huy als „OstfIanke“: „Em Klaus kummt do es Grause, es droht Gefahr aus Rockehause.“ Für den Protokoller gibt es da nur eine Möglichkeit: Eine Mauer im Osten, die selbstverständlich der „Mexikaner von Rockenhausen“ bezahlen müsse. Diese Idee stand im aktuellen Kontext der Landratswahl. Und auch hier hatte der Protokoller stets einen flotten Reim auf Lager. Kandidat Cullmann „will bei uns inmarschiere und bei uns de Kreis regiere.“ Ist die Alternative Guth? „Der Borsch, der kummt aus Eiseberch, des is genauso überzwerch“, gab Huy zum Besten. Klar aufeinander abgestimmte Reime, flotter Sprechrhythmus und die gespielte Empörung in seiner Stimme gefielen den Narren im Publikum. Sie dankten ihm mit viel Applaus.

Die Landratswahl entging auch Kai und Karl, den zwei Kehrmeistern der Stadt, nicht. Doch viel mehr als für die Landratskandidaten interessierten sich die beiden für die Sauna des Kibobades. „Die Sauna tropft und harzt“, bedauerte Kai (Kai Willig). Doch Kehrkollege Karl (Karlheinz Bieck) weiß da schon eine Lösung: Als Tropfsteinhöhle könnte sie ja zur neuen Touristenattraktion werden“, scherzte er, die Hände dabei in den Hosentaschen. Beide begeisterten durch ihr authentisches Auftreten und die wirklich guten Witze.

Zum Träumen kam das Publikum bei den Tanzvorführungen der Ballettschule Flex&Point (Trainerinnen: Nora und Lisa Frölich sowie Kristine Uhl). In seidigen Gewändern faszinierten die Tänzerinnen ihr Publikum. Und sie tanzten nicht nur: Durch die Musik, den Bewegungsablauf, die wechselnden Kostüme erzählten sie die Geschichte von Aladdin und der Wunderlampe. Man fühlte sich wie in 1001 Nacht, so echt und gleichzeitig so grazil bewegten sich die Tänzerinnen über die Bühne. Fantastisch! Nicht weniger fabelhaft waren ihre Tänze zu den Themen „Moskau“ und „Burlesque“. Ein Teil der Tänzerinnen begeisterte auch mit der klassischen Garde, ebenso Mina Schneider als Funkenmariechen.

Hin und weg war das Publikum von der Darbietung von MFT (Moritz, Felix und Tim Willig): Felix als Napoleon Bonaparte mimte einen nahezu perfekten französischen Akzent und reimte darauf pfälzisch – sehr erheiternd. Genauso gut seine beiden Brüder: Tim als echter Preuße, der zuvor auch als Nachwuchsbüttenredner mit Frauenproblemen das Publikum zum Lachen gebracht hatte, und Moritz als Prinz Charles mit Dudelsack. Letzter erklärte in feinem britischen Akzent den Grund für den Besuch:“Erdogan‘ Putin, Trump und Conrad – wir wollten mal nach dem Rechten sehen“‚ witzelte er mit Blick auf den neuen Präsidenten der Karnevalgesellschaft, Rainer Conrad.

Einen nicht minder ausgeprägten Akzent hatten Frank Partsch, Matthias Schildknecht  und Andreas Eich als Köche Jacques Boullion, Pablo Paella und Karl Knoschder. Serviert wurde in ihrer Kochshow ein Leberwurstbrot. Die Chaosnarren vereinten mit ihrem Sherlock-Holmes-Auftritt Spannung und Witz: Sie zogen den Präsidentenwechsel der Karnevalgesellschaft als Krimi auf. Urkomisch dabei: Sherlocks Komplize Watson (David Enders), der es wie kein Zweiter verstand, die Sonnenbrille agentenmäßig aufzusetzen. Als Agenten unterwegs waren auch die „Nachtkappen reloaded“: Sie spielten James Bond nach. Der Clou: die Erscheinung der Darsteller. Kopf in Übergröße, Arme und Beine jeweils durch Unterarme dargestellt. Pro Figur brauchte es also zwei Personen. Gestik und Mimik komplementierten diese urkomische Darstellung. Einfach klasse! Für Stimmung in der Stadthalle sorgten auch der Jungelferrat mit Kostümen und Musik aus den 70ern, die „Kibo Nachtschwärmer“ sowie die Spaßband „Riwwer Niwwer“.

(Quelle: Die Rheinpfalz, Donnersberger Rundschau vom 6.2.2017, Lara Christmann)

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