Ein Abschiedslied für „Kreisel-Klaus“

Ein Abschiedslied für „Kreisel-Klaus“

Sitzung der Kibo-Karnevalgesellschaft begeistert mit spritzigen Reden, starkem Gesang und mystischen Tänzen.

Eine viel diskutierte Sommerrodelbahn, ein scheidender Stadtbürgermeister, die Suche nach einer neuen Prinzessin für die Kibo-Narren, ein erstes Date, Beziehungsprobleme, mystische beziehungsweise fetzige Tänze und, und, und: Der Versuch, die fünfstündige Prunksitzung der Kibo-Karnevalgesellschaft in wenigen Sätzen zusammenzufassen, ist zum Scheitern verurteilt. Zu bunt und vielseitig war das Programm, dass das närrische Publikum in der Stadthalle begeisterte und teils auf den Stühlen tanzen ließ.

Urkomisch und mit grandiosem Gesang präsentierten die Brüder „MFT“ den Abschied des Stadtbürgermeisters. Als Robin Hood verkleidet, beklagten Moritz, Felix und Tim Willig den Abschied des „Sheriffs Klaus von Hartmüller“: „Im Rathaus gehen die Lichter aus. Der Klaus, der geht allein nach Haus“, lauteten die tristen Zeilen. Das Trio verstand es prächtig, aus der gespielten Melancholie die Komik zu kreieren. Zur Melodie des bekannten Lieds „Halleluja“ sangen sie „Es geht in Urlaub“. Als wäre das nicht schon witzig genug, wurde im Hintergrund mit Unterstützung von Vater Kai Willig das Echo gesungen: „Wo geht’s hin, Klaus?“. Stark! Das Besondere: in diesem Jahr haben die Kibo-Narren MFT unterstützt, tanzten unter anderem als Kreuzritter über die Bühne. Eine Zusammenarbeit, die nach einer Wiederholung schreit.

Das Amtsende Hartmüllers thematisierte – natürlich – auch Protokoller Ernst-Ludwig Huy: „Was hat er sich nicht alles getraut, fast ganz allein sieben Kreisel gebaut“, waren Reime seiner Dankesrede. Mit spritzigen Kommentaren nahm Huy die Kandidaten für Hartmüllers Nachfolge aufs Korn, um jeweils zu dem augenzwinkernden Schluss zu gelangen: Gegen ihn, also Huy, hätten diese keine Chance.

Selbstverständlich sparte der Dannenfelser Ortschef auch das Thema Sommerrodelbahn nicht aus, selbstironisch kündigte er an: Als „Dunnerschberger Rodelwalz“ werde er alle Gegner platt walzen. Auch die RHEINPFALZ bekam ihr Fett weg: „Do schreiwen alle wie doll mit Leserbriefe die Zeitung voll. Die sparn sich en Haufe eichene Artikel, dann kurz am Samschdaa im Dunnerschberjer Echo uffmucke, schunn kennen se die ganz Woch die Zeitung wieder mit Leserbriefe volldrucke.“ Die Rodelbahn diente auch als Aufhänger für den roten Faden seiner Rede: Bürgerinitiativen, die heute gegen alles und jeden gegründet würden. Nur gegen eines nicht, so seine Pointe: Die Leerstände und das Sterben der Stadt wäre zur Abwechslung ein guter Grund zum Kämpfen – mit einer Bürgerinitiative. Tosender Beifall war sein Lohn.

 

Den gab es auch für die anderen Redner in der Bütt, die ausnahmslos überzeugten. Allen voran Carolin Broschinski und Rainer Conrad, die als streitendes Ehepaar die Lachmuskeln der Zuschauer strapazierten. Sitzungspräsident Conrad legte als betrunkener Ehemann eine schauspielerische Glanzleistung hin – und nebenbei war er der Einzige, der auch wirklich in der Bütt stand: Er schnappte sich den Wäschekorb seiner „Frau“ und stellte sich konsequent hinein, wenn er etwas sagen wollte. Eine gelungene Vorstellung!

Karlheinz Bieck klagte auf humorvolle Art und Weise über den 50. Hochzeitstag mit seiner „Frieda“, die er früher mal auf Händen getragen hat – jetzt wäre ihm manchmal ein Gabelstapler lieber. Patrik Sommer und Michael Broschinski punkteten als zwei abgelehnte Kandidatinnen der Kibo-Prinzessinen-Wahl. Was nicht verwunderte, weil sie völlig unpassend im Wal- beziehungsweise Hai-Kostüm auf der Bühne erschienen seien – hatten sie doch in der Aufgabenstellung versehentlich „Zierfische“ statt „zierliche Frische“ gelesen. Die widersprüchlichen Darstellungen der Figuren, die unterschiedlicher nicht hätten sein können, machten den besonderen Charme des Vortrags aus.

Die „Nachtkappen Reloaded“ zeigten ein Schattenspiel. Der Inhalt simpel, die Umsetzung klasse: Zwei Personen, die sich erstmalig treffen. Gesprochen haben die Akteure nicht, der Witz lag in der überzogenen Darstellung der Figuren, die durch das Schattenspiel eine ganz eigene Dynamik entwickelt hat.

Kristine Uhl, Lisa und Nora Frölich von der Ballettschule Flex & Point hatten mit ihren zahlreichen Elevinnen (und einem Eleven) einmal mehr Tänze einstudiert, die ganze Geschichten erzählten – etwa jene der mystischen Schuhe. Das Außergewöhnliche: Ballett- und Showtanzelemente wechselten sich munter ab, was sich auch in den Kostümen und der Musikauswahl widerspiegelte – eine Symbiose, die harmonischer nicht hätte sein können. Doch auch das Publikum war gefordert: Wenn alle Mitwirkenden in unterschiedlichen Kostümen über die Bühne „flogen“, wusste man kaum noch, wo man hinschauen sollte – so eindrucksvoll war der Vortrag, dem die weiteren Tänze in nichts nachstanden: Mit „The Great Gatsby“ entführte die Ballettschule die Besucher mit viel Pepp in die Welt der 1920er Jahre, bei „Wild West“ ließen die „Cowgirls“ die Halle beben.

Der Jungelferrat und die Chaosnarren brachten jeweils verrückt-kreative Geschichten auf die Bühne, die nicht von dieser Welt waren: Ein verloren gegangener Matrose, der an der „Sansibar“ gestrandet ist und Herrscher Zeus, der Herkules nach einem fragwürdigen, aber äußerst komischen Wettstreit zu seinem Nachfolger krönt: abwechslungsreiche, gut herübergebrachte Vorträge, die das Publikum bestens unterhielten. Letzteres tanzte zeitweise auf den Stühlen und spätestens bei den Gesangsauftritten von „Riwwer Niwwer“ (an der „närrischen Bushaltestelle“) und den „Kibo Nachtschwärmern“ kochte die Stimmung vollends über …

Quelle: Die Rheinpfalz „Donnersberger Rundschau“ vom 11.2.2019, Lara Christmann / Fotos: Foto Stepan

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