Prächtige Exotik und der Glanz der „wilden Zwanziger“

Prächtige Exotik und der Glanz der „wilden Zwanziger“

Kibo-Jugendsitzung glänzt durch herausragende Balletteinlagen und aufwendige Kostüme – Auch in der Bütt glänzt der Narren-Nachwuchs.

Die Stadthalle proppenvoll, der „Kibo“-Nachwuchs super drauf, „hier ist was los!“ Im 41. Jahrgang wurde am Sonntag die Jugendsitzung des Jungelferrats abgefackelt. Herausragend wirkten die Ballett-Einlagen.

Wie die Alten, so die Jungen, kein Karneval ohne Rituale – hier der Prolog der Präsidenten Felix Willig und Mika Klein und der Einmarsch der Junioren-Garden: strahlende Prinzesschen und Teenies in Grünweiß. Mit Charme und Grazie schlagen sie Räder und werfen die Beine, trainiert von der Ballettschule „flex & point“. Die zackigen Mini-Musketiere unter dem Kommando von Florian Hupp und Uta Woytinas sind mit Luftschlangenflinten aufgerüstet und schlottern zum Teil noch in viel zu großen roten Uniformen: Macht nix, ihr wachst da rein, Jungs, Narrhallamarsch! Locker und zügig moderierten die Sitzungspräsidenten David Enders und im zweiten Teil Philipp Stephan das dreieinhalbstündige, von Minister Joachim Lauer zusammengestellte Programm.

Eisbären, Eskimos – Kälte? Von wegen: Richtig heiß wurde es am Nordpol mit der „Tanzgruppe Gau-Bischofsheim“, Titelsong: Tanz nie mit einem Eskimo Tango – „no-no-no“! Die blauweißen Showgirls, mit Harpunen bewaffnet und mit Schneesternen um die Wette glitzernd, zogen bunte Fischchen aus dem Eismeer und beeindruckten mit ihrem Temperament und Schliff, mit gewagten Hebefiguren und Pyramiden (einstudiert von Nadine Wagner und Carmen Zastrow). Und schon war Mordsstimmung im Saal.

Im Kontrastprogramm entführten die „Pulverblättscher“ vom SSV Dreisen in den warmen Südosten, nach Indien. Jetzt waren „Bollywood“ und farbenprächtige Exotik angesagt, auch hier mit viel Akrobatik und Können „wie hingefegt“ (Leitung: Ann-Sophie Hornung, Helga Groß, Lea Hoffmann). „TSG Grünweiß“ stellte in „Sapphire & Diamonds“ zwei markant gedresste Gruppen vor, Tänzerinnen in elegantem Schwarz und silbernen Colliers gegen leuchtendes Reinweiß. Zu flottem Disco-Pop zeigten sie ihr Können, mischten einander buchstäblich auf – auch hier standardisierte Hebefiguren, viel Pep, Schwung und die überspringende Lust am Tanz (Regie: Jasmin Zepp). Laut umjubelt für ihren fulminanten Soloauftritt als wirbelndes blaues Funkenmariechen wurde Ella Metzger (einstudiert von Kristine Uhl). Im schlichten Turndress zeigten sich die „Kerchemer Wutzegirls“ zu Techno und Rap als Powerfrauen mit bemerkenswert wildem Potenzial (Leitung: Shania Uhl). Es gab jede Menge Orden, Raketen und immer wieder den Bra- voruf „Ibi-tscha“ nach alter Kiboer Krischer-Tradition.

Fesselnde Höhepunkte blieben die Inszenierungen von „flex&point“, allen voran „Die mystischen (roten) Schuhe“, hier als anspruchsvolles Tanztheater choreografiert von Kristine Uhl und Leo Hess. Einstieg war ein reizvolles Schwanensee-Zitat in weißen Tutus, dann schlug der Ballett-Klassiker abrupt in die Gegenwart um: Tschaikowsky wurde – jetzt in schwarzroten, raffinierten Kostümen – rockig und jazzig verfremdet. Rote Planen dienten als bewegliche Kulissen, aus denen schließlich ein riesiges Ensemble kleiner und großer Elevinnen auftrat. Manches wirkte hier rätsel-, ja geisterhaft und sehr spannend. Später wurde ein bunt schillerndes Märchen getanzt: Peter Pan. Traumwesen belebten die Bühne, zarte grüne Elfchen, hellblaue Wassernixen. Ein Piratenschiff tauchte auf mit säbelschwingenden Korsaren, ein Rausch von Farben und Figuren. Zauberhaft. Einmal mehr ein Riesenaufwand an Kostümen und Requisiten (um nur zwei nähende Mütter zu nennen: Ada Andris und Susan Pasuki). Schließlich ging mit „The Great Gatsby“ (Regie: Nora Frölich) eine Zeitreise in die „wilden 20er“, in eine „dicke, fette Party“ mit zündendem Swing. Kurze Kleidchen, grüne und blaue Pailletten, die „Herren“ in noblem Schwarzweiß und mit Strohhüten. Nachtclub in Chicago, sexy, Rotlichtmilieu. Man tanzt auf den Tischen, das Hauptdarsteller-Paar schmachtet sich im romantischen Pas de deux an.

Und natürlich gab’s auch Kokolores. Die lustigen Clowns (Laura Klein, Laura Riedel, Tim und Moritz Willig) sangen Stimmungs- und Schunkellieder zum Mitsingen. Einfach „knuddelig“ waren die quirlig-aufgedrehten „Wolkenstürmer“ aus der „Villa Kunterbunt“, die in der Schlumpf-Disco unter anderem mit „Bella Ciao“ zu großer Form aufliefen, Applaus! (Leitung: Alexandra Leo, Lara Ackermann, Sophie Braun). Die „Kibo Popkörner“, geführt von Micha Broschinski und Matthias Malinowski, sind auf gutem Weg zu einer Gesangstruppe nach dem Vorbild der „Nachtkappen“. Als selbstbewusster Nachwuchs-Büttenredner entwickelte der achtjährige Maxi Ehrmann kinderfreundlichere Zukunftspläne zum Thema „Wenn ich Chef in der Schule wäre“. Dann finge die Schule nicht vor 10 Uhr an, und das Frühstück würde im Kuschelbett serviert. „Mama macht den Führerschein“: Fynn Klein beklagte das häusliche Chaos, ausgelöst durch die Anteilnahme sämtlicher Familienmitglieder an Mamas unerschütterlicher Bemühung um Mobilität. Mit 100 km/h rast sie bei der Prüfung durch den Schlossgarten, Terror – bis sich der Prüfer schließlich ergibt. Die „Junghexen“ schilderten drastisch morgendlichen Stress, wenn „die Mama weg“ ist. Zu unterschiedlich sind auch die Charaktere in der Großfamilie: Der eine rennt als passionierter Sportler die Rampe entlang, der andere, Musiker in einer Band, will die Schule schmeißen. Den witzigen Text entwickelten die acht Akteure selber, angeregt von Christine Weyers und Lionel Sommer. Und so richtig ab ging’s noch mal im „Starlight Express“ mit den geschickt wuselnden „Pocolocos“ (angeleitet von Carolin Broschinkski, Christine Schneider und Kathrin Würtz), rundum Spaß mit den quicklebendigen Kids auf Rollschuhen und blinkenden Rollern, eine weitere Augenweide!

Für flotte Musik sorgte Joachim Henrich mit seinen „Entertainers“, und eine enorme Schar von Helfern wirkte im Hintergrund. Beim krönenden Finale mit sämtlichen Akteuren, Luftschlangen-Beschuss und Fasnachtshymnen bebte die Stadthallenbühne.

Quelle: Die Rheinpfalz „Donnersberger Rundschau“ vom 20.02.19 / Marie-Louise Funk

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